Silvia Blatter

Merci-Fest der Kirche Urtenen

Ein Beitrag der Mitarbeitenden zum Thema entfalten (Foto: Christine Aeschimann)

Der Kirchenkreis Urtenen feierte mit über 100 freiwilligen Mitarbeitenden aus allen Generationen ein wundervoll sommerliches Merci-Fest im schönen Park rund um die Kirche Urtenen. Der Abend stand unter dem Motto «entfalten» und viele rosa aufblasbare Flamingos entfalteten sich im Lauf des Abends.
Silvia Blatter,
Am Freitagabend, 17. Juni 2022, fand das Merci-Fest der Kirche Urtenen für alle Freiwilligen statt. Als Wertschätzung und Dank für die unzähligen geleisteten Stunden an Freiwilligenarbeit wurde von den Mitarbeitenden und Behördenmitglieder des Kirchenkreises Urtenen ein Grillfest organisiert. Denn nur dank so vielen freiwilligen Mitarbeitenden ist ein vielfältiges Kirchenleben und sind vielseitige Angebote erst möglich. Mit einem feierlichen Wimpelaufzug wurde die Freiwilligenarbeit an der Kirche Urtenen sichtbar gemacht und ist anhand der dekorierten Wimpelfähnchen weiterhin zu sehen.

Passend zum Motto «entfalten» trugen die Mitarbeitenden eine Art Slam-Poetry kombiniert mit dem umgedichteten «Bini Gottfriedstutz e Kiosk»-Lied vor. Und während des humorvollen und zugleich tiefgründigen Beitrags konnte beobachtet werden, wie sich die aufblasbaren Flamingos langsam entfalteten. Unten finden Sie den gesamten Text des Beitrages.

An dieser Stelle möchten wir uns nochmal bei allen herzlich bedanken, die mit ihrer Freiwilligenarbeit – sichtbar oder unsichtbar, offiziell oder inoffiziell – unsere Dörfer vielfältiger, hoffnungsvoller und gemeinschaftlicher machen. Merci!

Im Namen des OK-Teams, Silvia Blatter

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Ein hundsnormaler Freitagmorgen (Mitarbeitendenbeitrag)

Es ist Morgen. Freitagmorgen. Es ist kein Freitag der dreizehnte und ich seh’ auch keine schwarze Katze. Eigentlich seh’ ich noch überhaupt nichts. Ich bin müde. Hundemüde. Ein hundsnormaler Freitagmorgen eben. Zerknittert und verkrügelt sitz’ ich am Bettrand. Streck’ die Arme zum Himmel – entfalte mich.

Den Weg in die Küche finde ich. Ich drück’ den Knopf. … Bitte entkalken. … Bitte Kaffeesatz leeren. … Endlich klappts. Das Aroma entfaltet sich im Raum und belebt meine Sinne. Es ist neun Uhr. Vom Hügel her hör ich die Glocken. Das erinnert mich an das verstaubte Buch oben auf meinem Schrank. Ich entfalte es und les’ den Text, der sich mir neu entfaltet: «Mache dich auf und werde Licht. Denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!» Welch’ wundervolle Zusage an diesem hundsnormalen Freitag. Ich nehm’ sie für mich.

Am Fernseher läuft Werbung von aufblasbaren Flamingos. Sie verspricht damit ein Leben in Fülle und Glückseligkeit. Es ist gerade Aktion. Zwei für eins und wenn ich drei nehm’, krieg ich noch ein gratis Redbull dazu. Redbull verleiht mir Flügel. Dann wird’ ich selbst ein Flamingo sein. Will ich das? Bin ich bereit dazu? Ich bin ein aufblasbarer Flamingo, doch ohne Luft. Fühl mich zerknittert, verkrügelt und verpufft.

Ich setz’ mich auf eine Bank im Park auf dem Hügel und langweile mich. Ich ess’ Schoko-Küsse, nur damit ich die wunderbar glänzenden Alu-Papierchen entfalten und glattstreichen kann. Ich komme mir vor wie eine Raupe, die frisst und frisst, bis sie endlich ein schöner Schmetterling ist. Doch wann entfalte ICH meine Flügel? Wann ist es so weit?

In dieser meditativen Tätigkeit versunken verschwindet die Welt. Die Langeweile wird für eine lange Weile verdrängt. Ich denke nach übers Leben und den Sinn. Und wozu ich hier auf dieser Welt bin. Da plötzlich wird etwas immer lauter. Die Welt kommt zurück. Ein lästiger Ton in meiner Nähe. Mich nerven diese Smartphones, die nie leise sein können. Eine lange Zeit vergeht, bis ich merk, dass es mein eigener Klingelton ist. Mein Herz klopft, das Adrenalin steigt. Ich dachte immer, kein Schwein ruft mich an, doch oh Schreck, da ruft mich jemand an – ob es ein Schwein ist, weiss ich nicht. Ich entfalte mein uraltes Klapp-Mobiltelefon und nehm’ ab. «Hallo?»

(Melodie Lied "Kiosk")
E Isatz fürne guete Zwäck, seit dä Chiuche-Mönsch zu mir.
I hätti no es Jöbli, säg wär das nüt für di?
Es würd dir sicher Fröid gä, und entfalte chönntsch di ooh,
Und am Merci-Fescht im Summer würdsch e Bratwurscht übercho .


Vor lauter Schreck leg ich auf. Mir rief jemand an. Oh Herr-Je, ich bin auserwählt! Ich stell’ mir vor, wie die kirchlichen Angestellten mit den Freiwilligen Tetris spielen. Um jede Aufgaben-Lücke zu füllen. Wie sie in ihrem Datenbank-Kleiderschrank nach dem passenden Kleidungsstück wühlen. Wie sie ihre Werkzeugkiste entfalten und das geeignetste Werkzeug hervorkramen. Oh Gott, ich bin in ihrer Datenbank. Meine Nerven liegen blank. Ich bin ein Werkzeug. Ein Kleidungsstück. Doch passe ich? Nütze ich? Tauge ich?

Meine Sorgen falten sich und werfen tiefe Schatten. Nützt Anti-Aging-Crème, um meine Falten zu entfalten? Mir wird Angst und Bang. Was ist, wenn ich nicht lang’? Ich falle nie tiefer als in Gottes Hand. Er ist wie ein Fallschirm, der sich in meiner Not entfaltet.

Ein imposantes Bergpanorama entfaltet sich vor meinen Augen. Woher wird mir Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Der mich kennt und weiss, wofür mein Herz brennt. Er hilft mir, mich zu entfalten und gibt mir die Kraft, mich zu engagieren. Was muss ich da noch lange studieren? Da wird mir etwas zugetraut. Da wird auf meine Fähigkeiten gebaut. Mutig steig ich hinein. Ich greif zum Hörer und meld’ mich – Freiwillige zu sein.

Meine verschränkten Arme entfalten sich langsam zum Himmels-Lob. Ich bin auserwählt. Doch nicht von Kirchenmenschen, sondern von Gott. Von Gott himself. Plötzlich entfalten sich Sinn und Freude in meinem Leben. Sie sind stark und hell. Und die Gemeinschaft dazu bunt und warm. Power und Begeisterung machen sich breit. Mein innerer Flamingo entfaltet sich. Wie viel ärmer wär’ ich, hätt’ ich’s nicht ausprobiert. Hätt’ ich’s nicht gewagt. Hätt’ ich nicht Ja gesagt.

Ich musste euch das erzählen, denn wovon mein Herz voll ist, davon läuft mein Mund über.
Freude. Sie steckt an. Begeisterung. Wow, freiwillig engagiert. Meine Zeit und meine Begabung investiert. Doch was ist der Sinn? Was das Ziel? Friede, Freude, Eierkuchen? Ja – und nein. Weltfrieden? Nein – und ja. Nicht den Frieden, den die Welt gibt. Gottes Frieden. Shalom. Der Himmel auf Erden. Bei uns in den Dörfern. Der Himmel in mir.

Weltfrieden bewirkt mein Einsatz nicht. Doch mein Beitrag rückt ihn näher in Sicht. Ein Stück Himmel in mir und ein Stück Himmel auf Erden. Das darf jetzt immer mehr Wirklichkeit werden.


Lied mit der Melodie des Liedes «Kiosk» von Rumpelstilz

E Isatz für ne guete Zwäck
Seit dä Chiuche-Mönsch zu mir
I hätti no es Jöbbli,
säg wär das nüt für di?
Es würd dir sicher Fröid gä,
– entfalte chönntsch di ooh,
Und am Merci-Fescht im Summer
würdsch e Bratwurscht übercho.

När heisst's bir Katechetin
"Chumm cho baschtle mit de Ching"
Si verzeui gueti Gschichte
und es Zvieri gäbs ou ging
U da chunnt scho d Sekretärin
si luegt mi verzwyflet aa
So viu Briefe, so viu Couvert,
si müess Lüt zum Verpacke ha

|: Ja di Chiuche birgt ä Viufaut,
für jede-n-isch öppis drinn,
da chaisch du di entfaute,
mit Ideeä, Gschick und Sinn:| 2x


Ja, da chunnt sone schnäue Sigrischt,
mitem Velo grad drhär
U fragt mi überfründlech
"Säg, hiufsch lüpfe, s’isch so schwär?
U chuum zäh Meter wyter,
da quatscht mi dr Pfarrer aa
Es läng em nid am Sunnti,
öb i chönnt sini Predigt ha

Un I flicke mi Maschine, da lacht mi Diakonin aa
Lat d Wimpere la klimpere, u seit
"bisch DU e begabte Maa!»
D Organischtin i dr Chiuche,
fragt: "spiusch es Instrumänt?
We mir zwöi zämä spiute –,
mir wäre-n-e super Bänd."

|: Ja di Chiuche birgt ä Viufaut,
für jede-n-isch öppis drinn,
da chaisch du di entfaute,
mit Ideeä, Gschick und Sinn:|2x

|: Gott-sey-Dank hesch du denn ja gseit!
So schön bisch du hüt cho!
Mir säge Merci für dis Härzbluet,
dini Zit und s Engagemoo! :| 2x
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